Die Containerschiffahrt auf den Weltenmeeren ist der blinde Fleck im Klimaschutz. Es ist der gute unter den Bösen, denn die großen Tanker sind immer noch besser als ein Flugzeug – denken viele. Doch was ist mit dem Wind? Kann man nicht auch segeln? Wie könnte eine globale Wirtschaft aussehen, wo weniger besser gehandelt wird?

Eine Katastrophe ist die Containerschiffahrt seit langem und Segelschiffe sind der fehlende Link im ökologischen Konsum in einer globalen Logistik.

Etwa 90 Prozent aller heute in der westlichen Welt konsumierten Produkte kommen aus Übersee. Ob Jeans, Computer oder Lippenstifte, sie haben oft eine Schifffahrt um den ganzen Globus hinter sich. Und dennoch sind sie billiger als Produkte, die hierzulande hergestellt werden. Die Frage ist: Wer zahlt den Preis?

Heute werden jedes Jahr etwa 18 Millionen Container auf den Schifffahrtsrouten der Welt befördert. Das ist eine so gigantische Fracht, dass sie nicht mehr wirklich zu kontrollieren ist. Waffen, Drogen, Menschenhandel. Die Zollbehörden können das wahre Ausmaß nur anhand von Stichproben erahnen.

Hinzu kommen extreme Umweltschäden durch Abgase und Havarien, Lohndumping bei den Seeleuten und massive Steuerflucht durch das System der Billigflaggen. Die gesamte Frachtschiffindustrie liegt dabei in den Händen einiger weniger Magnaten, die einen bedeutenden Einfluss auf die Weltwirtschaft und auf ganze Regierungen ausüben.

Mit einer ambitionierten Recherche deckt der Dokumentarfilm von Denis Delestrac die Mechanismen und Gefahren der Frachtschifffahrt auf – eine quasi unsichtbare Industrie, die eine Schlüsselrolle in der globalen Wirtschaft, in der Umwelt und sogar im Zivilisationsmodell einnimmt.

„Seeblind“ ist eine Koproduktion des SWR mit dem NDR hergestellt von Polar Star Films Barcelona.

Globale Logistik ohne Gewissen

Regionale Produkte sind in vielerlei Hinsicht die Lösung auf globale Probleme. In erster Linie natürlich, weil keine Transportemissionen entstehen. Aber was ist mit den Produkten, die wir lokal nicht bekommen? Kaffee, Bananen und Papayas? Da achten viele auf bio und fairtrade, ein wirkliches umdenken im Transport gibt es aber nicht. Das Thema wird so sehr vergessen und verschwiegen, dass selbst Biolieferanten keinen Bedarf für Segelschifffahrt erkennen.

Allein die fünfzehn größten Schiffe der Welt stoßen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos. Fast 20.000 Container gehen auf ein Frachtschiff.

Warum gibt es hier keine Gesetze?

An diesem Beispiel zeigt sich auch ein sehr interessanter Aspekt der Globalsierung: Auf den Weltenmeeren verbrennen die Schiffe die Ölreste, die man nirgendwo verbrennen darf, denn hier kann jeder machen was er will. Weder das Kyoto-Protokoll, das Pariser-Klimaabakommen noch die EU-Verordnungen sind hier wirksam. Dort versagen all die Regularien und Auflagen der Regierungen und weil der Dreck am Land längst verboten ist, müssen die Schiffe mit Zweitmotoren oder kleineren Zugschiffen in dei Häfen gezogen werden. Hier kann nur der Kunde selber auf den Wandel hin wirken. Im Welthandel ist der Kunde einziger König.

Aber Schifffahrt ist doch die ökologische Variante?

Wenn man alleine den CO2 Ausstoß pro Tonne berechnet ist Hochseeschifffahrt in der Tat das beste Transportmittel.

Im Vergleich zum Flugzeug und LKW erscheint das Schiff auf den ersten Blick harmlos. Aber nur beim CO2.

Diese Grafik zeigt, dass wir niemals Produkte mit dem Flugzeug transportieren sollten, wenn wir sie auch mit dem Schiff transportieren können.

Aber das relativiert in keiner Weise den übrigen Dreck, den die Schiffe in die Luft pusten.

Das Schiff ist eben nur beim CO2 pro Tonne relativ gut. Schwefelsäure und Ruß vergiften dafür um so mehr.

Haben Handelsschiffe denn überhaupt einen Einfluss?

Die erste Grafik suggeriert auch, dass die Schifffahrt nur sehr wenig Einfluss auf unser Klima hätte. Das ist absolut falsch! Der jährliche CO2-Ausstoß der weltweiten Handelsschifffahrt beläuft sich auf 1,12 Milliarden Tonnen, das ist rund doppelt so viel wie der gesamte Flugverkehr. Die Flugzeugindustrie ist verantwortlich für circa 650 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr.

Dabei geht es schon lange anders

Anders als bei den Erneuerbaren Energien müssen hier keine teure Forschung betrieben werden. Segeln können wir schon lange und dabei entsteht weder CO2 noch Schwefelsäure. Emissionsfrei geht mit Segelboot, Zug mit erneuerbarem Strom und Lastenfahrrad ohne Probleme.

Darauf zu warten, dass Containerschiffe CO2 frei fahren, wird noch lange dauern. Das Schweröl, welches als Abfall bei der Treibstoffproduktion anfällt, bekommen die Schiffe fast geschenkt. Doch es gibt erste Anfänge:

  • Fairrtransport aus den Niederlande transportieren schon lange Waren per Segelschiff. fairtransport.eu
  • Timerbcoast ist ein jüngeres Startup aus der Nähe von Oldenburg  timbercoast.com
  • Teikei-Kaffee ist eine Initiative zwischen deutschen und mexikanischen CSA-Höfen, die Kaffee CO2-frei transportieren wollen. teikeicoffee.org

Alle diese Initiativen haben mit der fehlenden Sensibilität der Verbraucher gegenüber einem ökologischen Transport zu kämpfen.

Hier ein Film, wie die Avontuur restauriert wird:

Karte von morgen der ersten Seegelschiffe

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Seeblind – Der wahre Preis der Frachtschiffahrt

Der Film analysiert die Probleme der Containerschifffahrt.

Derzeit ist der Film online nicht verfügbar.

FAKTEN zum Mitlesen: ( aus der TV doku: Seeblind: Der wahre Preis der Frachtschifffahrt )

Jedes Jahr
  • verschmutzen 20 der grossen Frachter unserem Planeten wie 1 Milliarde Autos
  • Die Schiffahrt ist für 4% des Klimawandels verantwortlich. So viel Emissionen wie ganz Canada.
  • sind 60.000 Frachtschiffe auf den Meeren unterwegs
  • werden 500 Mio. Container pro Jahr verschifft
  • kentern 120 Handelsschiffe
    • Dadurch
      • sterben 2.000 Seeleute
      • gehen 10.000 Container verloren
      • fließen 150.000 Tonnen Rohöl ins Meer
Ein Frachtschiff
  • verbraucht 200 Tonnen Schweröl pro Tag
  • verbrennt die gleiche Menge Schwefel wie 50 Mio Autos im Jahr (Schweröl hat hohe Schwefelwerte, daraus resultieren hohe Feinstaubwerte in der Luft )
 Der Lärm der hausgroßen Schiffsmotoren hat das Lebensgebiet von Buckelwahlen um 90% reduziert. Viele große Seetiere können nicht mehr mit ihren Sonarsystemen kommunizieren und stranden.

Das Klimaabkommen von Paris im Jahr 2015 erwähnt die Schifffahrt nicht in irgendeiner Form.

20 t Fracht von USA nach China kosten weniger als 300,- Euro
Ein Hemd fährt ca. 48.000 km um die Welt bevor es in Deutschland ankommt. Zum Preis einer U-Bahn Fahrkarte.
Nur 2 % der Container werden auf die Legalität ihrer Inhalte Kontrolliert.
Die Häfen sind stark abgeschirmt und für Presse und Öffentlichkeit nicht einsehbar (Seablind). Die Arbeitsbedingungen auf den Schiffen ähneln denen in Vollzugsanstalten. Abgeschirmt, ohne Urlaub oder freie Tage. 75 Std. / woche sind die Regel.

Materialien

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Klingt zwar erstmal lokal – Mit Teikei-Kaffee wird das aber auch eine globale Frage, wobei der Transport dann per Segelschiff stattfindet.

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Quellen und weiterführende Links

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